“In mir” – Fotoausstellung der sinnlichen Schatten

Video in –

Valentina Murabito lebt und arbeitet erst seit kurzem in Berlin, Vinzenz Fengler schon deutlich länger. Beide nutzen die Fotografie als Ausdrucksmittel künstlerischer Gestaltung. Vinzenz schreibt zusätzlich Texte. Vor wenigen Monaten installierten sie ihre erste gemeinsame Ausstellung unter der Überschrift Nicht hier. Am kommenden Donnerstag eröffnet in der Galerie Gad, im Wedding die zweite gemeinsame Ausstellung. Der Titel In mir verspricht eine eher sinnliche Kehrtwende zur Innerlichkeit.

“Rückblickend im Nicht hier zu sein”, betrachtet erinnernd den damaligen Augenblick des Zusammenseins in der Neuköllner Galerie Territorium 91, …

Valentina Murabitos Fotos wirken im Vorbeigehen unaufdringlich. Bei genauerer Betrachtung aber, entwickeln sie eine schwere Tiefe. Die abgebildeten Personen zeigen durch ihre Haltung zueinander, eine teils bedrohliche Nähe, oder verlassen durch ihre Plazierung in der Nähe des Bildrands und ihre Abgewandtheit, den Beziehungszusammenhang.

Die im Galerieraum sitzende Performerin ist in einen Lichtreflektierenden hellen Anzug gekleidet. Selbst das Gesicht ist durch einen weissen Anstrich zur Schattenlosigkeit verdammt. Indem sie trinkt und raucht, vollzieht sie die Handlungen, die auf Valentinas Fotos dargestellt sind. Auf einem Porträtefoto steht sie dem Betrachter zugewandt. In übermäßiger Helligkeit eingetaucht, strahlt ihre Person nicht von Innen heraus. Auf wenige Details ihrer Körperlichkeit reduziert, erscheint sie vom gleissenden Licht eher fragmentiert. Zwar sind in Valentinas Fotos die Informationen eines Umgebenden Raumes gelöscht, dennoch besitzen die abgebildeten Personen einen klaren Standpunkt, bilden eine überzeugende Haltung und man vermeint, eine eindeutige Absicht zu erkennen.

 Vinenz Fengler, im Prozess des Fotografierens, auf der Suche nach seinem, nur noch bruchstückhaft erinnernbarem Ich, legt mit Hilfe von Symbolen in seinen Fotos falsche Fährten, die wegführen sollen von einer allzu speziellen Gemeinsamkeit mit seiner Person – weiß aber, das letztendlich jedes Detail, das ihn zu einer künstlerischen Verabreitung drängt, sehr wohl Bruchstücke aus seiner Vergangenheit offenbaren.

Die über ein Fotoalbum grübeldne Performerin, scheint nach Details, aus vergangenen Zeiten zu suchen, aber ein fotografisches Gedächtniss gibt es nicht, schreibt Vinzenz Fengler. So sind die einzelnen Seiten des Buches leer und es gelingt nicht, aus aufgespührten Einzelheiten, ein Ganzes zusammenzufügen.

Die dritte Performerin des Abends bindet einen am Kreuz hängenden Körper mit weißem Band und wandelt damit, die emotional aufgeladene Darstellung des Gekreuzigten, in einen harten, klaren Kontrast. Aus dieser Vereinfachung heraus mag der Zugriff auf das ehemals Empfundene leichter gelingen. Und sei dies mit jener Wandlung auch nicht möglich, so besiegelt dieser konstruktive Versuch, ob tröstlich oder nicht, endgültig die Erkentnis, dass ein wahrhafter Zugang zur eigenen Vergangenheit, nicht herzustellen ist.

Der Prozess

Beide bevorzugen die Schwarz Weiß Fotografie und arbeiten im Analogen. Während Vinzenz`s Mehrfachbelichtungen auf ein Negativ schon bei der Aufnahme zu einem Foto verschmelzen und dadurch reproduzierbar werden, entstehen die Mehrfachbelichtungen bei Valentina erst durch Überblendungen unterschiedlicher Negative beim Entwicklungsprozess in der Dunkelkammer. Bildkopien sind dann nicht mehr zu gewinnen und jedes Foto erhält den Stempel eines Unikats.

MvH


Vernissage: Donnerstag, 28. April 2011 um 19 Uhr  –  Galerie GAD – Freienwalder Str. 30 – 13359 Berlin WEDDING

Öffnungszeiten: 29./30. April 2011 sowie 01. Mai 2011 von 14 bis 18 Uhr

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  1. #1 von Amélie Olbricht am 31. Mai 2011 - 15:23

    habs leider sehr spät aufgerufen ,mein Anschluß funktioniert fast 4Wochen nicht.
    Wie immer „vor Ort“ dein Film ist sehr schön ich liebe schwarz- weiß Überblendungen, Schatten (wie du weißt) Amelie danke für die Nachricht Grüße Amélie

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