„Erinnerungsraum ohne Gedächtnis“

Vinzenz Fengler organisierte vor einigen Jahren sehr erfolgreich eine Jugendgalerie im Soldiner Kiez. Er ist Künstler und Performer und arbeitet als Berater und Anti-Gewalt-Trainer mit jugendlichen Intensivtätern. „Wir halten nichts von dieser Bootcamp-Pädagogik, „ sagt Fengler. „ Es gibt bei uns kein konfrontatives Training, in dem nach den Regeln des heißen Stuhls, auf Jugendliche eingeprügelt wird, um ihnen zu zeigen, wie schlecht sie sind. Im Gegensatz dazu praktizieren wir ein sozial kognitives Training, d.h. wir analysieren gemeinsam die Aggressionsauslöser und dann erarbeiten wir solange alternative Handlungsstrategien, bis welche gefunden sind, die funktionieren. Wir sehen als wichtigste Grundlage in der Zusammenarbeit mit ihnen, das ernst gemeinte Gefühl zu vermitteln, dass sie trotz ihrer Tat nicht als ganze Person schlecht von uns bewertet werden. Die Jugendlichen sind doch nicht ständig aggressiv.“

Vinzenz Fengler - Erinnerungsräume

Als Grundlage seiner aktuell geplanten künstlerischen Intervention, greift er das Ereignis im letzten Jahr am Alexanderplatz auf, bei dem ein junger Mann von einer Gruppe Jugendlicher durch Schläge zu Tode gebracht wurde. In einem Medienhype wure der Begriff „Alex Schläger“ geprägt.

Mit einer Performance am Alexanderplatz erinnert er an diesen Vorfall, hinterfragt aber auch die Ungenauigkeit von menschlicher Erinnerung.
Während der Performance lassen sich ein Teil einer Gruppe von Künstlern auf den Boden fallen, während die  Anderen sie mit weißer Kreide ummalen. Diese Aktion wiederholt sich mehrere Male, sodass ein großer Bereich des Alexanderplatzes, mit den typischen Zeichen der Spurensicherer nach einer schwerwiegenden Tat, bedeckt sein wird.
„Erinnerungsräume“, so Vinzenz Fengler, „sind immer irgendwie absurd, denn eigentlich setzt das Vergessen sehr schnell ein. Es gibt kein photographisches Gedächtnis, stattdessen sind Erinnerung flüchtig, ungenau und werden gemischt mit der eigenen Historie oft zur Lüge.“
„Auch unsere Performance wird schnell vergessen sein – Spätestens dann, wenn der nächste Regen die Kreidespuren auf dem Alexanderplatz weggespült hat.“

„Erinnerungsraum ohne Gedächtnis“ ,Kunstintervention von Vinzenz Fengler, mit Nadia Lafi, Ana Mena, Elisa Hilse, Marc-Henri Ahoua und Jennifer Speier.

18. Mai 2013 um 13:00Uhr – Alexanderplatz (zwischen Weltzeituhr und Saturn)

www.vinzenz-fengler.de

Advertisements
  1. Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: